Die Insulinfalle

 


Der Mensch ist entwicklungsgeschichtlich ein Hungerkünstler und nur deshalb konnte er überleben. Seit ca. 55 Jahren gibt es Nahrung im Überfluss und genau damit kommt der Stoffwechsel nicht zurecht. Unser Stoffwechsel ist veraltet und hat sich den neuen Lebensumständen noch nicht angepasst. Hinzu kommt mangelnde Bewegung.

Immer wenn es darum geht zuzunehmen oder abzunehmen spielt das Hormon Insulin eine entscheidende Rolle. Der menschliche Körper benötigt das Insulin, um den Blutzuckerspiegel auf einem gleich bleibenden Niveau zu halten. Beim Essen steigt der Blutzuckerspiegel an, Insulin wird ausgeschüttet um die Glucose in die Körperzellen zu bringen, wodurch der Blutzuckerspiegel wieder sinkt. Nach einer Mahlzeit können die nun im Blut befindlichen Nährstoffe (Zucker, Eiweiß, Fett) nur mithilfe des Insulins in die Zellen gebracht werden. Das Insulin dockt an die Rezeptoren an und ähnlich wie ein Schlüssel öffnet es dadurch die Tür ins Zellinnere für die Nährstoffe.
Das funktioniert nur so lange, bis die Zellen ihren Bedarf an Nährstoffen gedeckt haben. Dann ziehen sich die Rezeptoren zurück und verschließen die Zelle. Es befinden sich aber immer noch Nährstoffe im Blut, daraufhin produziert die Bauchspeicheldrüse noch mehr Insulin. Um so üppiger gegessen wird und um so kürzer der Abstand zwischen den Mahlzeiten um mehr Insulin. Aber auch das mehr an Insulin kann die noch im Blut vorhandenen Nährstoffe nicht abbauen. Aus der Not heraus werden Sie vom Insulin ins Fettgewebe entsorgt. Insulin mästet also das Fettgewebe.
Besonders kritisch wird es, wenn wir zwischen zwei Mahlzeiten zuwenig Zeit vergehen lassen. Solange der Insulinspiegel im Blut hoch ist, ist ein Fettabbau nicht möglich. Das Insulin entsorgt die überschüssigen Nährstoffe, die es nicht in den Muskel- und Leberzellen unterbringen kann, in den Fettzellen. Außerdem werden die Fettzellen für ungefähr 5 Stunden vom Insulin verschlossen. Ein Fettabbau ist nicht möglich. Essen Sie nach 3 Stunden wieder, verlängern Sie die Zeit erneut um 5 Stunden. Die Fettzellen wachsen immer mehr an. Machen Sie nun eine Diät, bei der Sie 5 oder mehr Mahlzeiten pro Tag zu sich nehmen, können sie alles abnehmen (Muskeln, Wasser), aber kein Fett.
Insulin ist ein Wachstumshormon, d. h. es ist für Regenerationsprozesse im Körper zuständig. Das Hormon fördert außerdem das Muskelwachstum. Ein guter Muskelanteil ist wichtig für den Fettabbau.
Daraus zu schließen, das Kohlehydrate grundsätzlich schlecht sind ist nicht richtig. Es ist auch nicht zwangsläufig richtig am Abend keine Kohlehydrate zu essen. Treiben wir abends Sport, wäre es sogar falsch. Insulin ist wichtig für Regeneration und Muskelaufbau. Das durch die Aufnahme von Kohlenhydrate ausgeschüttete Insulin verbessert aber nicht nur den Transport der Glucose in das Zellinnere, sondern auch den Transport von Eiweiß (Aminosäuren), Fetten und Kreatin. Nach dem Sport sind die Zuckerreserven in der Muskulatur entleert und müssen für eine gute Regeneration schnell wieder aufgefüllt werden. Insulin ist in erster Linie ein Signal für den Körper, dass Nährstoffe im Blut zur Verfügung stehen. Insulin wird aber erst nach der Aufnahme von Kohlenhydraten in größeren Mengen ausgeschüttet. Wir sehen also wie wichtig die Aufnahme von Kohlenhydraten nach dem Sport ist. Fehlt dieses Signal, bleiben die Abbauprozesse im Körper bestehen und das betrifft nicht nur den Fettabbau, sondern auch den Muskelabbau. Wir würden das Gegenteil erreichen durch den Sport. Das Training wäre umsonst gewesen.
Nach dem Sport ist eine Mahlzeit mit Kohlenhydraten und Eiweiß sinnvoll.
Das durch die Aufnahme von Kohlenhydraten ausgeschüttete Insulin transportiert jetzt nicht nur die Glucose, sondern auch die Aminosäuren in das Zellinnere. Der Körper kann regenerieren und Muskeln aufbauen. Natürlich ist zu beachten, dass Insulin nicht nur Muskeln aufbaut sondern auch überschüssige Kohlenhydrate und Fette in den Fettdepots einlagert.
Also nicht 3 Stück Sahnetorte oder ein Bierchen nach dem Sport.